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Home Presse Presse 2003 Römischer Ziegelofen
Römischer Ziegelofen

Luxemburger Wort
Vorbereitungen auf einen etwas anderen Umzug


Inmitten seines Betonmantels wartet der Ziegelofen auf seinen Abtransport

Der Mitte Juni bei Bauarbeiten im „Parc d'activites Capellen” entdeckte römische Ziegelofen aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. wird am Samstag in den Park der Villa Risch in Capellen „umziehen”. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. .

Capellen - Damit der 5,4 mal 5,4 Meter große Ofen seine etwa 2,5 Kilometer lange Reise am Sonntag unbeschadet übersteht, mussten im Vorfeld aufwändige Vorbereitungen getroffen werden. Laut Cary Arendt, verantwortlicher der Baufirma „ATS Cranes s.a.”, die den Transport übernimmt, ist ein solcher Transport weltweit einmalig. Damit das aufwändige Unternehmen überhaupt gelingen kann, musste der Ofen zuerst „verpackt” werden.

Ein Paket wurde geschnürt
Nach der kompletten Freilegung wurden unter dem Ofen Bohrungen vorgenommen. In den so entstandenen Bohrlöchern wurden 28 Stahlrohre mit einem Durchmesser von 250 Millimeter eingelegt, die den Unterboden des "Paketes" bilden.
Anschließend wurden an den Seiten dieses mobilen Fundaments Betonplatten angebracht, welche die Wände des Kastens bilden und dem Ofen beim Transport den nötigen Seitenhalt geben. Damit die alten Gemäuer nicht in sich zusammenbrechen können, wurde der gesamte Innenraum des Kastens mit Sand aufgefüllt. Gestern wurde diese etwas ungewöhnliche Konstruktion dann zum ersten Mal bewegt.
Und zwar wurde unter der Konstruktion ein hydraulisches Kolbensystem mit elektronischen Messdosen installiert, das sie behutsam freistemmen und anheben soll, damit sie heute von einem eigens aus Deutschland "importierten" Sieben-Tonnen Kran auf den Tieflader eines Sattelschleppers geladen werden kann. Die gestrigen Arbeiten seien besser als geplant verlaufen und seien somit ein voller Erfolg, so Cary Arendt.
Übernachtet hat der etwa 92 Tonnen schwere römische Zeitzeuge in zehn Zentimetern Höhe, gestützt von zahlreichen hölzernen Klötzen. Am frühen Samstagmorgen erst wird der eigentliche Umzug ins Dorfzentrum von Capellen stattfinden.


Die hydraulische Hebevorrichtung war mit elektronischen Messdosen ausgerüstet, um den Druck gleichmäßig zu verteilen

Der in Deutschland angemietete 700-Tonnen Kran kam gestern wie geplant zum Einsatz. Der etwa 92 Tonnen schweren Ziegelofen konnte, ohne Zwischenfälle, von den Holzklötzen weg, auf denen er die Nacht von Donnerstag auf Freitag verbracht hatte, auf den zehn-achsigen Tieflader gehoben werden, auf dem er seine letzte Nacht im "Parc d'activites Capellen", dem archeologischen Fundort, verbrachte. Weil derselbe Kran dazu dient, den Ofen vom Tiefstapler in den Park der Villa Risch zu heben, wurde er gestern gleich nach seinem Einsatz wieder abgebaut und transportfertig gemacht.

Maximal 25 km/h
Zwei Lastwagen samt Anhängern wurden mit den insgesamt 120 Tonnen an Gegengewichten des Krans beladen, denn auch sie müssen heute wieder kräftig dagegenhalten. Heute um 7.00 Uhr in der Früh macht sich die ungewöhnliche, 5,4 Meter breite Karawane aus Sattelschlepper, Kran und den beiden Lastwagen mit den Gegengewichten auf ihre halbstündige Reise durch den Dorfkern von Capellen. Mit maximal 25 km/h zieht die vierachsige Zugmaschine ihre tonnenschwere Fracht zu ihrem neuen Standort. Von einer höheren "Spitzengeschwindigkeit" wurde abgesehen, um Transportschäden zu vermeiden.

Gehoben wurde das über 90 Tonnen schwere Objekt mit einem hydraulischen Autokran am vergangenen Freitag gegen 11.30 Uhr und auf dem Gelände abgestellt. Am Nachmittag wurde der Ofen auf einen Tieflader gehoben und am Samstag mit einem Spezialtransport zur Villa Risch gefahren. Dort wurde der Ofen am Samstag um 11 Uhr unter dem Applaus der Anwesenden von dem hydraulischen Autokran, deren weltweit nur 22 in Betrieb sind, an die vorbereitete Stelle eingesetzt. An der Seite zur Straße, wo die Befeuerungsstelle und der Eingang zu den Kanälen des Ofens sind wird der Betonmantel entfernt so dass man einen Einblick in das Innere dieses bemerkenswerten römischen Ziegelofens erhält. Somit hat der erhaltenswerte Ofen wieder einen Platz an der Arloner Straße und wird demnächst von Interessenten besichtigt werden können. Der Ofen unterstreicht zudem die Tatsache, dass zur Römerzeit bereits bedeutende Industrien im Land ansässig waren.


Alles ist bereit für den Umzug