RIEDL GRUPPE
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Home Presse Presse 2002 Schwergut und Projektlogistik
Schwergut und Projektlogistik

„Just in time” durch mehrere Engpässe

Nicht das Gewicht der zu transportierenden Behälterteile war der Knackpunkt. Vielmehr mußten für die sperrigen Komponenten auf der intermodalen Transportstrecke zwischen dem niederländischen Hafen Vlissingen und dem schweizerischen Zielpunkt Cern bestimmte Punkte minutiös eingehalten bzw. passiert werden.

Schon im Februar 2001 erhielt die Hagener Projekt- und Anlagenspedition Rolf Riedl GmbH die Anfrage, ein Transportkonzept für zwei Vakuum-Druckbehälter, zerlegt in jeweils zwei große Hälften, für eine Transportroute vom niederländischen Hafen Vlissingen bis nach Cern in der Schweiz auszuarbeiten und anzubieten. Je zwei Hälften sollten pro Lot verladen werden. Ab der Schnittstelle Hafen Strasbourg sollte der Anschlußtransport im Konvoi erfolgen. Nachdem das Projektteam der Riedl-Gruppe im Juli 2001 den Zuschlag auf der Basis des Transportkonzepts und der Machbarkeitsstudie vom Kunden Schelde Exotech erhielt, konnte Anfang Oktober mit der Transportdurchführung begonnen werden. Den Vortransport der ersten beiden Behälterteile von je 10.700 x 5.500 x 5.000 mm aus der Werkhalle bis zum werkseigenen Verladekai besorgte das Lieferwerk Schelde Exotech selbst. Ab ex Kranhaken über dem Binnenschiff übernahm das Riedl Team die Verantwortung für die weitere Transportdurchführung. Für den Wassertransport vom Hafen Vlissingen bis zum Schwergutkai des französischen Rheinhafens Strasbourg wurde gemeinsam mit der Haniel-Reederei das 700 Tonnen-Binnenschiff "Lourdes" ausgewählt. Auf Grund der avisierten Polizeibegleitung mußte das Handling im Hafen Strasbourg "just in time" unter Einsatz eines dort stationierten Schwerlastkrans durchgeführt werden.


Anheben der zahlreichen Oberleitungen

Für den anschließenden Straßentransport auf einer Route von knapp 400 km mußte für den Konvoi eine Gesamtlaufzeit von immerhin fünf Tagen kalkuliert werden. Nach Prüfung mehrerer alternativer Strecken legte das Projektteam die Transportroute von Strasbourg via Colmar, Dole und Lons Le Saunier nach Cern fest. Am dritten Tag des Landtransports mußte pünktlich um 11.00 Uhr ein Bahnübergang bei Possigny passiert werden. Für den Fall, daß dieser Termin nicht minutiös eingehalten werden konnte, hätte die Genehmigung zur Überquerung erst mehrere Tage später wieder erteilt werden können.


Durchfahrt der kleinen Gasse in Poligny



Durchfahrt eines Dorfes bei Lons le Saunier

Nach der Durchfahrt durch Poligny begann der interessanteste, weil diffizilste Teil der Transportroute - geprägt durch Steigungen an den Pässen von 11 Prozent und 90° engen Straßenkurven in den kleinen französischen Bergdörfern. Höchster Punkt der Route war der Pass Col de la Faucille; danach durchfuhr der Konvoi die kleine Ortschaft Les Rousses, die dem Riedl-Projektteam schon bei der Planung der Route die größten Kopfzerbrechen bereitete. Zwei Wochen vor Beginn des Transports erhielt das Riedl-Team vom zuständigen Brückenbauamt der Region Les Rousses eine Ablehnung der schon erteilten Genehmigung, weil eine die Landstraße querende neue "Ski-Brücke" unterfahren werden müßte, über die künftig ein Teil der Skitouristen vom französischen in den schweizerischen Teil des Ortes wechseln soll. Die von der Behörde ins Spiel gebrachte "Ski-Brücke" hätte nicht unterfahren werden können, weil ihre lichte Durchfahrtshöhe von nur 4.850 mm bei weitem nicht ausgereicht hätte für die maximale Transporthöhe des Konvois von 6.060 mm. Umgehend setzte der im Riedl-Team verantwortliche Projektleiter Arnd Held gemeinsam mit der ausführenden Baufirma und dem beauftragten französischen Transportpartner Transport Millon einen Ortstermin beim Brückenbauamt Les Rousses an. Dabei boten sich zwei Alternativen an: (1) Bau einer temporären Umgehungsstraße, die den Kunden einen zusätzlichen Aufwand von ca. 100.000 EUR gekostet hätte und (2) Abstimmung über den bevorstehenden Baubeginn der Brücke über die zu passierende Landstraße. Dabei stellte sich heraus, daß die mit dem Bau der Brücke beauftragte Baufirma bis zum Zeit punkt des Transports mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den "Brückenschlag" erst kurz nach Durchlauf des Transports beginnen könnte. So wurde das Restrisiko vom Kunden akzeptiert und die Route von der Behörde wieder freigegeben. Zwei Tage nach Durchfahrt des Transports wurde die Brücke fertiggestellt, während der Konvoi termingerecht im Werk des Empfängers eintraf und die Behälter innerhalb des Zeitrahmens montiert werden konnten.