Auch im Anlagen- und Schwermaschinenbau sind heute umfassende Logistikkonzepte gefragt Der deutsche Schwerguttransporteur Rolf D. Riedl hat die Zeichen der Zeit erkannt und ist in wenigen Jahren vom Transporteur in die Liga der Logistikpartner aufgestiegen.
Wie kommen zwei gigantische Teile einer Luftzerlegungsanlage von Ostengland in den nördlichsten Teil des Bottnischen Meerbusens nach Luela in Nordschweden? Seit bald 15 Jahren werden solche und ähnliche Probleme an die Schwergut- und Spezialfrachtlogistik-Gruppe Rolf Riedl GmbH mit Sitz in Hagen (Deutschland) herangetragen.  Rolf D. Riedl, alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer
Alles aus einer Hand
Die Gruppe ist auf nationale und internationale Schwerguttransporte, Montagen und Industrie-Service spezialisiert. Als Systemanbieter für den Grossmaschinen- und Anlagenbau hat Riedl in den letzten Jahren ein Paket an Dienstleistungen zusammengeschnürt, das keine Verladerwünsche offen lässt. Kerngesellschaft ist die im Februar 1987 von Rolf Dieter Riedl mit seinem Management-Partner Joachim Patzner gegründete Rolf Riedl GmbH. Die Geschäftsleitung dieses Unternehmens hat schon sehr früh erkannt, dass sich die Ansprüche der Anlagen- und Schwermaschinenbauer sowie der Energietechniker verändern werden. Das traditionelle Schwerguttransportgeschäft musste zunehmend mit Ingenieurleistungen wie Demontagen, Inbetriebnahme am Bestimmungsort, Hubarbeiten, Umzüge kompletter Produktionslinien, See- und Luftfrachtverladungen und vielem mehr ergänzt werden. Solche Dienstleistungsbereiche hat Rolf Riedl in Form von Tochtergesellschaften aufgebaut. Die Unternehmen verfügen über einen sehr hohen Spezialisierungsgrad. 1993 entstand die Riedl & Stöcker GmbH, Leipzig, die von Manfred Stöcker geführt wird. Die Gesellschaft ist in den Bereichen Montagen, Transport-Engineering und Industrie-Service für so genannte «Turn-Key»-Projekte», d.h. die schlüsselfertige Übergabe der Anlagen an den Empfänger, tätig. Ein Jahr später wurde die Riedl & Tschierschke GmbH mit Sitz in Frankfurt/Main aus der Taufe gehoben. Innerbetriebliche Transporte besonders schwerer Güter mittels Luftkissengleittechnik, Kran und Parterre-Arbeiten, Betriebsumzüge sowie die Versetzung von Produktionsanlagen gehören zum Kerngeschäft dieses Unternehmens. 1995 hat Riedl die Gruppe mit der Transgerma Riedl & Kiehntopf GmbH erweitert. Die Dienstleistungspalette dieses in Bremen ansässigen Unternehmens umfasst die Verschiffung von Anlagen, speditionelle und logistische Begleitung von Überseetransporten mit Nachlauf bis zur Ablieferung auf den Fundamenten in den Bestimmungsländern. Daneben hat Riedl auch ein Weltnetz aufgebaut. So bestehen Kooperationsverträge mit Partnern in China (Cosfre, Tochtergesellschaft des Schifffahrtskonzerns China Ocean Shipping Co.), Brasilien (Megatranz Transportes Ltda) und USA. In Indien hat Riedl mit der Transgerma Ltd ein Kontaktbüro eingerichtet. Darüber hinaus sind die nach ISO-Norm 9001 zertifizierten Riedl-Gesellschaften auch Mitglieder der «European Heavy Lift Group (EHLG). Hauptinitiant dieser Kooperationsgemeinschaft, die derzeit 39 Mitglieder in 18 Ländern zählt, ist Rolf D. Riedl. «Last but not least» ist die Riedl-Gruppe auch Mitglied des amerikanischen Spitzenverbandes SC&RA (Specialized Carrier & Rigging Associa tion), in dem landesweit 1700 national und 280 international tätige Mitgliedfirmen zusammengefasst sind. Rolf D. Riedl ist ausserdem Gründungs- und Aufsichtsratsmitglied der Cargo Lifter AG, Berlin. «Ich sehe in der neuen Technik der Frachtluftschiffe neue Dimensionen in der Schwerguttransport-Logistik», ist Riedl überzeugt.  Eine Antonov 24 übernimmt am italienischen Flughafen Bergamo einen 93 t schweren Transformator. Empfängerin ist die Hudson Bay Mining, Flin Flon (Manitoba, Kanada). Fotos: Riedl
|  Ein 453,5 t schwerer Koloss mit einer Länge von 49,5 m überquert eine verstärkte Brücke.
Immer grösser und immer schwerer Hinter den Schwergut- und Spezialtransporten steht ein riesiger logistischer Aufwand wie das Beispiel der eingangs erwähnten Luftzerlegungsanlage zeigt. Die gewählte intermodale Land See-Land-Route ist den Wünschen des Verladers entgegengekommen. Dieser wollte möglichst grosse, vorgefertigte Teile auf den Weg bringen. Das spart teure Montage-Kosten am Bestimmungsort. Vor diesem Hintergrund wurde die ganze Anlage in zwei komplett montierten Grossbauteilen geliefert, verschifft und am Bestimmungsort auf die Fundamente gesetzt. Vor den Transport haben aber die Götter noch die Planung und die technischen Vorbereitungen, insbesondere an den Schnittstellen der Transportkette, gesetzt. Das grössere Ladungsteil hatte eine Länge von 49,5 m, einen Querschnitt von 11,0 x 12,02 m und wog 435,5 t. Das zweite Teil wog 193 t, war 13,8 m lang und hatte einen Querschnitt von 11,0 x 7,02 m. Bereits hier stellt sich die Frage, wie sich das Gewicht solcher Teile ermitteln lässt. Um das tun zu können, müssen die Elemente mit hydraulischen Stufenhebern angehoben und mit Messdosen zum Verwiegen bestückt werden. Gleichzeitig wird der Lastschwerpunkt ermittelt und markiert. Masse, Gewichte und Lastschwerpunkte werden bei der Aufrichtung an Bestimmung benötigt. Anschliessend haben die Techniker und Spezialisten der Riedl-Gruppe die Teile auf 2,60 m angehoben, auf eine selbstfahrende Kombination, bestehend aus vier Strassenrollern (jeweils zwei längsgekoppelt) abgesetzt und hydraulisch auf die normale Transporthöhe abgesenkt. Nun konnte der eigentliche Transport zum Seehafen Immingham beginnen. Vom Werk zum Hafen ist eine für derartige Transporte ausgelegte Schwerlaststrecke mit einer verstärkten Überbrückung über verschiedene Versorgungsleitungen errichtet worden. Ausserdem musste innerhalb eines bestimmten Zeitfensters ein mit Schranken gesichertes Bahngeleise überfahren werden. Im Hafen Immingham wurden die beiden Teile auf ein RoRo-Schiff gefahren. Wegen der hohen Belastung wurde die Einfahrrampe durch eine spezielle Überfahrt ersetzt. Als Folge davon stand ein Poller im Weg. Er wurde ab- und später wieder aufgebaut. Im Schiff wurden die beiden Teile auf Zwischenlager abgesetzt und festgemacht. Die Fahrzeugkombinationen reisten mit. Die Roll-off-Rampe am Bestimmungshafen war zu schwach und wurde durch eine neue ersetzt. Diese überspannte auch den schwachen Kaimauerbereich. Die schiffseigene Rampe wurde mit Kränen ausgehängt. Nur mit dieser Massnahme konnte das Schiff unmittelbar an der Kaimauer anlegen. Nach dem Transport vom Hafen zum Werk begann die schwierigste Arbeit. Das fast 50 m lange und 453,5 t schwere Teil musste mit einem enormen technischen Aufwand angehoben, um 90 Grad gedreht und auf das Fundament abgesetzt werden. Dazu wurde der Koloss unter ein fast 70 m hohes und 800 t tragendes Hubgerüst mit vier Hubsäulen gefahren und mit Unterstützung eines Nachführkrans aufgerichtet. Die Hubgeräte hoben das Teil hoch. Sie schafften 7 m pro Stunde. Die Bedienungsmannschaft war ohne Pause 14 Stunden im Einsatz. Das kleinere Teil mit 193 t wurde mit einem Mobilkran (Hubkraft 500 t) umgeschlagen. Sehr oft gehen solchen Transporten auch Machbarkeitsstudien und lange Planungszeiten voraus. Das war auch bei dem hier geschilderten Transport der Fall. Das Praxisbeispiel der Riedl-Gruppe verdeutlicht sehr anschaulich, in welche Richtung sich das Schwerguttransportgeschäft entwickelt hat. Wie die Spediteure sind auch die Schwerguttransporteure zu Logistikern mutiert.  Hinter den Schwerguttransporten steht ein riesiger logistischerAufwand, insbesondere an den Schnittstellen der Transportkette.
www.riedl-group.com www.ehlg.org |