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Home Presse Presse 2000 Tiefe Brückenträger als Nadelöhr
Tiefe Brückenträger als Nadelöhr

Gemeinschaftsarbeit Riedl/Navigomes für Land/See/Land-Operation nach Portugal
TransportMarkt 1/2-2000

Die Crux dieses komplizierten Land/See/Land-Transports einer gigantischen Rektifikationsbox von Schalchen in Oberbayern via Bremen und Setubal bis in den Süden Portugals bestand im Nachlauf vom Seehafen Setubal zur inländischen Baustelle bei Alenquer und im Aufricht- und Absetzvorgang. Wegen der enormen Abmessungen dieses 84,2 Tonnen schweren Teils einer Luftzerlegungsanlage mußte das beauftragte Projekt-Team der EHLG-Partner Riedl und Navigomes eine nicht alltägliche Route durch den Süden Portugals ausfindig machen und transporttechnisch absichern.

Hindernisse besonderer Art waren mehrere Brücken, darunter eine mit einer lichten Höhe von nur 5.100 mm; die Gesamthöhe des Transports bei gängigen Straßentiefladern mit Drehschemeln lag jedoch bei 5.530 mm abzüglich eines hydraulischen Ausgleichs von - 250 mm.
Um die Rektifikationsbox nicht abladen und unter den Brücken durchschlitten zu müssen oder mit Kranen über die Brücke zu heben, mußte auf dem portugiesischen Markt ein geeignetes Tiefladefahrzeug gefunden werden. Als Alternative wurde auch der Einsatz der schon im Vorlauf genutzten Linde-Tragschnabelbrücke erwogen.
Das Transportengineering Team Riedl/Navigomes fand das optimal geeignete Fahrzeug: ein 2 x 7-achsiger Straßenroller des Herstellers Cometto mit eingebautem Prismabett, ausgerüstet mit Drehschemeln, mit einer Mindestladehöhe von 930 mm und einem hydraulischen Ausgleich von 250 mm. Damit konnte das Nadelöhr dieser nicht zu umfahrenden Brücke noch mit einem Sicherheitsabstand von 90 mm zum oberen Brückenträger passiert werden. Die Komplikation dieser Operation nötigte den Genehmigungsbehörden immerhin eine Bearbeitungszeit von acht Wochen ab. Alle fahr- und hubtechnischen Anforderungen bei der Einfahrt in die Baustelle bis unter die Kranhebeposition wurden gemeinschaftlich mit der Linde Baustellenleitung definiert, erarbeitet und entsprechend vorbereitet. Außerdem erstellte das Projektteam Riedl/Navigomes zusammen mit dem portugiesischen Kranbetreiber eine Hebestudie für das Aufrichten der Rektifikationsbox. Diese Studie wurde als Arbeitspapier mit allen zertifizierten technischen Unterlagen für die Einsätze von Kranen, Traversen, Schäkeln und Seilen dem Projektführer Linde eingereicht und vorab genehmigt. Auf dieser Arbeitsgrundlage kamen auf der Baustelle bei Alenquer als Hauptkran ein Mobilkran vom Typ Liebherr LTM 1500 mit Wipp-Spitzenausleger und als Nachführkran ein Grove-Mobilkran Typ GMK 6250 zum Einsatz für den Aufricht- und Absetzvorgang. In einer dreistündigen Operation konnte die fast 36 m hohe Box von den Kranen punktgenau auf den vorbereiteten Fundamenten abgesetzt werden. Damit war der komplizierte Transport- und Ingenieurauftrag am 12. Dezember 1999 ohne Zwischenfälle und reibungslos abgewickelt.


Abfahrbereit zur Baustelle: die im Hafen Setubal auf zwei Straßenroller-Einheiten aufgeladene Box.


Millimetergenaues Positionieren der Box über den Absetzpunkten auf dem Fundament.


Das Aufrichten der Coldbox mit dem Hauptkran (rechts), ein Liebherr LTM mit Wipp Spitzenausleger, und dem Nachführkran (links), ein Grove-Mobilkran GMK 6250, auf der Baustelle


Das Aufrichten der Box mit den beiden Mobilkranen und Absetzen auf dem Fundament dauerte nur drei Stunden.

Nach der Ausschreibung Ende Juli 1999 erhielt die Rolf Riedl GmbH am 27. September letzten Jahres von der Linde AG, Werksgruppe Verfahrenstechnik und Anlagenbau in Höllriegelskreuth bei München, den Zuschlag für den Auftrag federführend für die gesamte Transportkette und das Projektmanagement. Bereits am 18. Oktober konnte das Riedl-Team die Rektifikationsbox im Linde Werk Schalchen in Oberbayern übernehmen. Der Transportdurchführung gingen umfangreiche Streckenprüfungen und entsprechende Genehmigungs verfahren voraus. Mit einem zwölfachsigen Straßenroller (Fabrikat Scheuerle), aufgeteilt in zwei tragende Straßenroller-Einheiten von fünf und sieben Achsen, zwischen denen Linde-eigene Tragschnäbel aufgesattelt wurden, arrangierte Riedl den Vortransport über die Straße von Schalchen in Süddeutschland direkt bis zum Verschiffungshafen Bremen. Die 84.200 kg schwere Rektifikationsbox auf den Tragschnäbeln erregte Aufsehen durch ihre Abmessungen: 35.590 mm Länge, Querschnitt 4.320 x 4.080 mm. In Bremen übernahm die Riedl-Tochter Transgerma Riedl & Kiehntopf GmbH den Umschlag der Box unter Einsatz eines Schwimmkrans der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft in ein Küstenmotorschiff. Transgerma zeichnete auch für die Charter des Seeschiffs und für das Verlaschen und Sichern der Box im Schiffsraum verantwortlich. Nach Ankunft im südportugiesischen Hafen Setubal wurde die Box in Regie eines Projektteams der Rolf Riedl GmbH und des portugiesischen THLG-Partners Navigomes Lda. unter Einsatz von Autokranen aus dem Seeschiff gelöscht. Zuvor hatte das Team eine Transportroute ermittelt, die vom Hafen Setubal zur Baustelle Chegancas bei Alenquer führte.